German Poems

Am Ende die Rechnung

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und bezahlen.
Bitte die Rechnung!
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht!
”Ich habe euch eingeladen”,
sagt der und lacht,
soweit die Erde reicht:
”Es war mir ein Vergnügen!”

– Lothar Zenetti


Der Strom des Lebens

Ich kann ihn hören, sehen, spüren.
Mal seicht und leise, kaum merklich weiterfließend, zieht er vorbei.
Mal sprudelnd, wild, aufregend, aber auch Gefahren bergend.
Mal im Schatten fließend, das einem kühl dabei wird,
oder von der Sonne beschienen, die dich wärmend umfängt.
Jedoch auch gleißende Mittagssonne sein kann , die dich verbrennt.
Lass uns einen Platz suchen, an dem er flüsternd
über vom Wasser geschliffene Steine fließt.
An dessen Ufer ich mich niederlasse.
Unter einer grünen Weide durch deren Blätterdach
die Sonne glitzernde Diamanten aufs Wasser des Lebens malt.
Ich den Duft frischen Grases und junger Blüten in mich strömen lassen kann.
Schau, ein blauer Schmetterling auf meiner Schulter.
Verweilen will ich dort,
bis der Strom des Lebens uns mit nimmt zu neuen Ufern.

– (c) Stefanie Kurley